Energiesparende Modernisierung im Wohnungseigentum führt nach Auffassung des Vereins Wohnen im Eigentum ein Schattendasein. Um dies zu ändern, sei die Politik gefragt. 65 Prozent aller Wohnungseigentümergemeinschaften in vor 1999 errichteten Gebäuden diskutieren über energiesparende Modernisierungsmaßnahmen. Viele Vorhaben scheitern an untätigen Verwaltern oder desinteressierten Miteigentümern und an mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage zum Thema energetische Modernisierungen, die der Verbraucherschutzverein Wohnen im Eigentum e.V. veröffentlicht hat. Für die Befragung wurden 5.000 Wohnungseigentümer angeschrieben, Antworten aus 158 Eigentümergemeinschaften konnten für die Auswertung genutzt werden. Die Antworten repräsentieren mehr als 6.000 Wohneinheiten. Ein großer Anteil der befragten Wohnungseigentümergemeinschaften beschäftigt sich mit dem Thema energiesparende Modernisierungsmaßnahmen: Von den 139 bis 1999 gebauten Häusern ist nur in 49 eine Modernisierung weder bisher durchgeführt worden noch bestehen Pläne für eine Modernisierung. In 25 Eigentümergemeinschaften (37 Prozent der geplanten Modernsierungen) wurde bislang eine Energieberatung durchgeführt und in nur fünf Gemeinschaften (7 Prozent) wurden die Beratungsempfehlungen auch umgesetzt. Diese Ergebnisse zeigten, dass die Energiesparberatung an einer ganz wesentlichen Zielgruppe beinahe vollständig vorbeigehe, so Wohnen im Eigentum. Grund dafür seien die Strukturen der Eigentümergemeinschaften: Der überwiegende Teil antwortete auf die Frage, warum keine Beratung durchgeführt wurde, es habe "sich niemand gekümmert". Von den 49 konkret geplanten oder bereits durchgeführten Modernsierungen wurde nur in neun Fällen ein Antrag auf KfW-Fördermittel gestellt. Die Gründe hierfür liefern die angefügten Kommentare der Befragten: Gemeinschaften haben keine Möglichkeit Kredite aufzunehmen und der Antrag ist zu aufwändig. Wohnen im Eigentum: Politik muss handeln Die Umfrage zeige dringenden Handlungsbedarf für die Politik. So fordert Gabriele Heinrich, Geschäftsführerin von Wohnen im Eigentum: "Bei der derzeitigen Diskussion über die Neugestaltung der KfW-Programme für energieeffizientes Bauen und Sanieren müssen endlich auch die Belange der Wohnungseigentümergemeinschaften gezielt berücksichtigt werden." Dazu gehöre nicht nur eine direkte Ansprache der Wohnungseigentümer. "Entscheidend ist auch, dass es eine Zuschussvariante für Einzelmaßnahmen gibt, die Wohnungseigentümergemeinschaften schrittweise mit ausreichend langen Fristen abrufen können", so Heinrich. Die zweite Forderung des Vereins betrifft die Energieeinsparberatung. Auch hier müsse es dringend eine Förderung geben, die gezielt Eigentümergemeinschaften anspricht, fordert Wohnen im Eigentum. "Die erschreckend hohe Zahl an Fällen, in denen keine Beratung durchgeführt wurde, weil sich 'niemand darum gekümmert' hat, ist ein Alarmsignal", sagt Geschäftsführerin Heinrich. "Sinnvoll wäre eine Initiative, bei der Energiesparberater aktiv auf die Gemeinschaften zugehen um den Sanierungsbedarf ihres Gebäudes zu analysieren." Begleitet werden müsste die Beratung von einem Rechtsberater, der die Gemeinschaft über die rechtssichere Beschlussfassung zur Sanierung informiert und die Entscheidungsfindung und Beschlussfassung gegebenenfalls moderiert. So könnten jahrelange Diskussionen und Rechtsstreitigkeiten in der Gemeinschaft deutlich verkürzt werden. Bei Bedarf seien auch Finanzierungsberater hinzuzuziehen, um Hilfestellung bei den teilweise komplizierten Finanzierungskonstruktionen zu geben. Quelle: www.haufe.de (Haufe Online-Redaktion, 12.11.2008) |